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KEYfacts Kommentar

Qualitative Qualität.

Ein Kommentar von Dipl.-Ing. Rudolf Brendel, Geschäftsführer
BFM Building + Facility Management GmbH, D-65760 Eschborn

R. Brendel, BFM GmbH

Die Qualitätsdiskussion hat die CAFM-Branche erreicht. Das ist gut so. Gut vor allem deshalb, weil es die Sensibilität vieler Interessenten und Kunden erhöht. Denn auf ihr Verhalten kommt es letztlich an, wenn die Qualität im CAFM steigen soll.

Was heißt das? Bislang wurde die Qualität von CAFM von zahlreichen Interessenten oder Anwendern vor allem quantitativ gesehen. Je mehr Einzelfunktionalitäten eine Software »kann«, desto besser ist sie. Davon zeugen die umfangreichen Pflichtenhefte, die wir immer wieder erhalten. Der Effekt: Jeder – zumindest jeder, der über eine ausgereifte Lösung verfügt – kann fast alles. Was bleibt den Herstellern auch anderes übrig, wenn sie überhaupt erst einmal ins Gespräch kommen wollen?

Aus anderen Branchen wissen wir, dass es anders geht. In der IT-Branche beispielsweise ist es üblich, die Anforderungen zu beschreiben – und nicht die ‚Features and Functions’. Der Hersteller kann sich dann überlegen, wie er diese Anforderungen lösen will. Dieses Vorgehen erspart dem Interessenten nicht nur Zeit, sondern verhilft ihm auch zu innovativen und individuellen Lösungen. Sie sind es, die einen oft unterschätzen Mehrwert bilden.

Wir plädieren daher für einen qualitativen Qualitätsbegriff. Sein Gradmesser ist die Frage: Wie perfekt kann ein CAFM-Hersteller die gesamten Anforderungen der Interessenten lösen? Das setzt voraus, zunächst einmal in Ruhe miteinander zu sprechen und gemeinsam nach Antworten zu suchen. Bezeichnender Weise sind diesen Weg sowohl die niederösterreichische FMPlus, die für ihr Betreiberkonzept mit dem FM-Anwenderpreis ausgezeichnet wurde, als auch das Landratsamt Bad Kissingen, über das wir in diesem KEYfacts berichten, gegangen.

Die Frage löst den Qualitätsbegriff von der Fixierung auf die Anzahl vorhandener Features and Functions und bringt neue Aspekte ins Spiel. Beispielsweise die Fähigkeit des CAFM-Herstellers, kreativ Lösungsvorschläge zu entwickeln. Das setzt natürlich voraus, dass er sich in die Situation des Anwenders hineindenkt – und hineindenken kann, sich also mit dem operativen FM-Geschäft auskennt. Das setzt weiter die Bereitschaft voraus, individuelles Customizing auch dann zuzulassen, wenn dies in der Release-Planung nicht vorgesehen ist oder weitere Interessenten eine derartige Funktionalität nicht benötigen.

Für den Hersteller, der in qualitativer Qualität denkt, bedeutet das, der Implementierung einen gleichberechtigten Status neben Entwicklung und Vertrieb einzuräumen. Es bedeutet aber auch, die internen Prozesse anders zu gestalten. Denn nur, wenn die Verständigung zwischen Vertrieb, Entwicklung und Implementierung reibungslos funktioniert, ist der Hersteller überhaupt in der Lage, die individuellen Anforderungen intern adäquat zu lösen.

Und der Interessent? Für ihn würde dies bedeuten, zunächst einmal mit den Anbietern zu sprechen. Und zwar über mehr als nur über Features and Functions.

Rudolf Brendel
Geschäftsführer, BFM Building + Facility Management GmbH


KEYfacts

Qualitative Qualität

Ein Kommentar von Dipl.-Ing. Rudolf Brendel als Beitrag zur Qualitätsdiskussion in der CAFM-Branche

KEYfacts Ausgabe 1/09

KEYfacts rund um CAFM, Facility Management und KeyLogic